Historie des Vereins

Unser Verein blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück.

DIE ERSTEN 75 JAHRE

Den Sport- und Kulturverein (SKV) gibt es seit dem 1. Januar 1946. Schon der Name verrät, dass man in jenen schweren Tagen der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht auf das Trennende blickte. Auf dem Hintergrund der totalen militärischen Niederlage, des völligen politischen und wirtschaftlichen
Bankrotts und des vollständig besetzten Heimatlandes, besann man sich – in Not und Verzweiflung – auf das, was vereint, was verbindet. Doch davon später mehr.
Wenn der SKV dennoch 1998 sein 100-jähriges Jubiläum feiert, so besinnt er sich auf seine bedeutendste geschichtliche Wurzel, auf den Turnverein Unterensingen. Auf ihn bezieht sich eigentlich das Jubiläum:
Der Turnverein wurde nämlich am 17. Juli 1898 gegründet, von 25 Mitgliedern und vier Zöglingen (so nannte man damals die Sportjugend).
Zum Gründungsvorstand wurde der Sonnenwirt Gustav Reyer (Unterschrift: Reyher) und zum ersten Turnwart Jakob Schweizer gewählt.
Als monatlichen Beitrag legte man eine Mark fest (Jugendliche 0,50 Mark), neben einem einmaligen ‘Eintrittsgeld’ in gleicher Höhe. Das war damals viel Geld: Um eine Mark konnte man seinerzeit zweimal gut essen gehen, und eine Mark war ein halber Tageslohn eines Arbeiters. Ein Arbeiter verdiente damals so wenig, dass er von diesem Geld nicht leben konnte. Irgendwie musste fast jeder neben dem Beruf etwas Landwirtschaft betreiben.


Die Gründer des Turnvereins von 1898 waren also große Idealisten und sie wussten, dass sie bei null anfingen. Noch deutlicher wird dieser Idealismus, wenn man die erste Turnordnung ansieht, die sie sich gaben. Neben dem großen finanziellen Opfer legten sie sich nämlich auch noch strenge Pflichten auf. In den einzelnen Riegen hatte ein Vorturner das Sagen, der von den Sportlern gewählt wurde. Die Gesamtverantwortung trug der Turnwart. Fehlte ein Turner unentschuldigt, musste er ein Strafgeld entrichten. Nur wegen Krankheit, Ortsabwesenheit oder dringender Geschäfte konnten die Turner beim Vorstand bis zu einem Monat ‚Urlaub‘ beantragen. Stellte sich ein Entschuldigungsgrund als unwahr heraus, versechsfachte sich das Strafgeld.
Nicht weniger Interessantes steht in der ersten Satzung des Vereins: Jedes Mitglied musste sich zu einem tadellosen Lebenswandel verpflichten, um den Ruf und das Ansehen der Turngemeinde, wie es heißt, ‚nicht zu beflecken‘. Zöglinge, so bestimmt es die Satzung von 1898 weiter, waren die 14 bis 18-jährigen, die zur Aufnahme eine Einwilligung der Eltern oder des Lehrherrn mitbringen mussten. Alle Mitglieder unterwarfen sich einer vierwöchigen Probezeit. Die Funktionsträger im Verein wurden ‚Beamte‘ genannt.
Mitgliederversammlung in Form einer ‚gesellschaftlichen Zusammenkunft‘ war alle zwei Wochen. Dabei ging es um ‚geistige Unterhaltung vermittelst Vortragen edlen Gesangs usw.‘, wie die Satzung weiter ausführt. Bei diesen Versammlungen herrschte Anwesenheitspflicht für alle Aktiven. Auch hier wurden für unentschuldigtes Fehlen oder Zuspätkommen Strafgelder angesetzt.



Der Vorstand des neuen Vereins wandte sich schon wenige Tage später an Schultheiß Christian Kraushaar.
Am Abend des 15. August 1898 verlas dieser den Brief des Turnvereins vor Gemeinderat und Bürgerausschuss. Er enthielt die Bitte um einen        Turnplatz, beziehungsweise um einen Turnraum und um einen Beitrag der Gemeinde zur Anschaffung von Turngeräten. Die Gemeindevertreter beschlossen, dem Verein die alte Kelter zu überlassen. Allerdings dürften die bis Martini (Martinstag) musste der Verein seine Geräte wieder entfernen, denn ab da belegten traditionsgemäß Schafe den Raum. Der Turnbetrieb konnte erst wieder im Frühjahr aufgenommen werden, wenn die Tiere wieder auf der Weide waren. Einen Geldbeitrag, um Turngeräte zu beschaffen, verweigerten die Gemeindevertreter. Also mussten sich die Mitglieder mit Einfachem abfinden: Man besaß anfangs nur ein reckähnliches Gerät und einen Barren, den der ortsansässige Wagner Karl Kemmner gefertigt hatte.
Im August 1901 beging der junge Turnverein sein erstes Stiftungsfest. Es fand im Garten der Mitglieder Jakob Petermann und Johannes Hoß an der Schulstrasse statt. Durch Eintrittsgelder und sonstige Festeinnahmen konnte der Verein sein jährliches Einkommen fast vervierfachen. Trotz der einfachen Verhältnisse des Sportbetriebs verstand es Turnwart Schweizer, eine erfolgreiche Riege aufzubauen. Sie besuchte erstmals 1902 ein Gauturnfest in Linsenhofen und erreichte auf Anhieb einen ersten Preis.
Mit Stolz erwarb der Verein 1903 für etwa 200 Mark eine erste Fahne und übergab sie mit einem Weihefest ‚in den Angeln‘ der Bestimmung. Angesichts von mehr als 520 verkauften Eintrittskarten konnte man mit einem neuen Jahresrekord abschließen. Hinzukam, dass die acht ‚Festjungfrauen‘ erhebliche Beträge an den Verein entrichteten.


1905 war der Verein selbst Ausrichter des Gauturnfests, das ebenfalls ‚in den Angeln‘ stattfand. Aus heute nicht mehr bekannten Gründen kam der Verein anschließend in eine Krise. Es wurde sogar von Auflösung gesprochen. Erst nach fünf Jahren war die Krise überwunden: Am 1. Februar 1910
gab der Verein unter seinem Vorstand Jakob Stumpp gegenüber der Gemeinde bekannt, dass er den Übungsbetrieb wieder verstärkt aufnehmen wolle.
Erneut beantragte er den Raum der Kelter für die Zeit vom 1. März bis 31. Oktober und einen Turnplatz. In einem Bittgesuch verwies man darauf, dass andere Gemeinden ihren Vereinen viel mehr entgegenkommen würden, in Unterensingen dagegen ‘wisse man von einem ordentlichen Turnplatz nichts’. Im Gegenteil, man habe ihnen immer wieder Hindernisse in den Weg gelegt, z. B. mit den Schafen, mit Holz usw. Die Gemeinde räumte dem Verein die Benutzung der Kelter erneut unter bestimmten Auflagen ein: Im Oktober mussten alle Gerätschaften in den Dachraum der Kelter gebracht werden. Außerdem beanspruchte die Gemeinde Teile des Bodenraums für Einlagerungen von Bauholz und ähnlichem. Weiter musste der Turnverein zusagen, dass der Pferchkarren der Gemeinde ‚unter Dach‘ bleiben konnte. Auf Antrag des Vereins gewährte die Gemeinde nun auch einen Platz vor der Kelter, auf dem Hoch- und Weitsprung betrieben werden konnte. Die Mitglieder mussten lediglich die dort lagernden Erdhaufen beiseiteschaffen. Außerdem war der Verein gehalten, einen Pachtbetrag von einer Mark im Jahr aufzubringen. Einen tiefen Einschnitt brachte schon vier Jahre später der Erste Weltkrieg: 16 Mitglieder kehrten nicht wieder zurück – es herrschte tiefe Verbitterung über den sinnlosen Tod der Vereinskameraden.

 
Trotzdem nahmen einige Überlebende und nachwachsende Jugendliche den Turnbetrieb wieder auf. 1920 ereignete sich dann auf dem Gauturnfest in Neckartailfingen ein Zwischenfall mit Folgen: Es kam zu einem Streit zwischen den Unterensinger Turnern und dem Gauturnwart. Auf Beschluss einer außerordentlichen Mitgliederversammlung trat daraufhin der Verein aus dem Hohenneuffen-Neckar-Turngau aus und in den Arbeiterturn- und Sportbund ein. Hintergrund dieser Entscheidung war ein Lagerdenken jener Zeit, das in zahlreichen Städten und Gemeinden Platz griff: Das Bürgertum auf der einen und die Arbeiterschaft auf der anderen Seite führten oder begannen jeweils ein vereinsmäßiges Eigenleben. Ausgehend von politischen
Strömungen, erfasste dies nicht nur das gesamte Sportwesen, sondern auch nahezu alle Bereiche des kulturellen Lebens. Währenddessen aber vielerorts bürgerliche Sportvereine und Arbeitersportvereine nebeneinander bestanden, war dies in Unterensingen auch jetzt nicht der Fall: Es blieb bei dem einen Sportverein, der sich als Teil der Arbeiterbewegung verstand. Dahinter steckt eine örtliche Besonderheit Unterensingens: Weite Teile des traditionellen Bürgertums tendierten erstaunlicherweise nicht nach rechts sondern nach links, wie z. B. der damalige Pfarrer Wacker (1902-1927) mehrfach beklagte. Das bekam auch der ‚Liederkranz‘ zu spüren, den es seit dem 2. Februar 1869 als bürgerlichen Gesangverein gab.
Er stand in gewisser Konkurrenz zur Sängerabteilung des Turnvereins und zu dessen Spielmannszug. Der Liederkranz, so stand es in seiner Satzung, war dem ‚schönen Volksgesang‘ verpflichtet. Es sollten ‚nur solche Lieder zur Geltung kommen, die nicht sittlich verdorben sind und nicht zu schlimmen Urteilen Anlass geben‘. Auch der Liederkranz war geschwächt aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangen, er hatte neun seiner Sänger verloren. Viel einschneidender allerdings war ein anderes: In der Mitgliederversammlung vom 2. September 1920 zeigte sich, dass nun der bereits genannte, politisch bedingte Riss auch quer durch diesen Verein ging: Junge Sänger beklagten sich über die konservative Haltung der älteren Sänger und beantragten den Anschluss des Vereins an den Arbeitersängerbund. Die Alten wehrten sich dagegen, die Debatte des Abends verlief ohne Ergebnis. Daraufhin erklärten 27 junge Sänger am 20. September 1920 ihren Austritt aus dem Liederkranz, der damit mehr als die Hälfte seiner aktiven Sänger verlor. Von diesem Aderlass erholte sich der Liederkranz nie mehr richtig. Anders der Turnverein. Dieser wandte sich am 11. Januar 1926 an die Gemeinde und gab die Absicht bekannt, sobald es ‚die wirtschaftlichen Verhältnisse‘ erlaubten, eine Turnhalle errichten zu wollen. Aus dem Antrag geht hervor, dass der Arbeiterverein zwischenzeitlich den Vorplatz der Kelter aufgegeben hatte und einen Platz auf Unterboihinger Markung nutzte. Letzteren sah der Verein als ungeeignet an, da er ‚auf das Wohlwollen der Nachbargemeinde (heute Teil von Wendlingen) angewiesen war. Er schlug
einen geeigneten Platz ‚möglichst auf dem Gemeindewasen bei der Kelter zur unentgeltlichen Benutzung‘ vor.


Der Gemeinderat, der über die Eingabe am 30. Januar 1926 beriet, war sich unschlüssig und stellte den Antrag zurück.
Dabei wäre der Turnhallenbau für einen weiteren angegliederten Arbeiterverein besonders erforderlich gewesen: den Kunstradfahrverein ‚Wanderlust‘. Von diesem hatte der Gemeinderat bereits am 20. Februar 1923 einen Antrag abgewiesen, ein Klassenzimmer im Schulhaus benutzen zu dürfen. Im Februar 1926, am 1. Dezember 1927 und am 17. Februar 1928 lehnten die Gemeindevertreter weitere Gesuche ab. Auch ein privates Unterkommen war für ihn kaum möglich, da Beschädigungen beim Saalfahren und Erschütterungen nicht zu vermeiden waren. Löwenwirt Stoll hatte aus diesem Grund seine ursprüngliche Zusage ebenfalls zurückgezogen. Erst als der Arbeiterradfahrverein 1928 auch eine Musikkapelle, den Spielmannszug, gegründet hatte, konnte er – nur für diesen Zweck – einen Raum im Schulgebäude beanspruchen.
Im Januar 1927 wandte sich die ‚Freie Sportvereinigung‘ (auch Arbeiterturn- und Sportverein), so der neue Name, erneut an den Gemeinderat und fragte nach einem Platz ‚Auf dem Auchtert‘ nach. Dieser war sich erneut unschlüssig, setzte nun aber eine Kommission ein. Am 24. Februar 1927 gab Schultheiß Link vor dem Gemeinderat bekannt, dass die Kommission ‚lange gesucht habe‘, nunmehr aber einen Platz vorschlage, der linksseitig an den Fabrikfußweg Otto und in östlicher Richtung an das alte Neckarbett anstoße. Nach den Bestimmungen, die für die ‚Freien Sportvereinigungen‘ gelten, müsste der Platz ungefähr 30 Meter breit und 60 Meter lang sein, also etwa 18 Ar umfassen. Den genannten Platz ‚Auf dem Auchtert‘ stellte der Gemeinderat als neuen Sportplatz in Aussicht. Er bestimmte, dass er erst nach dem Abernten benutzt werden dürfte und dann abgeschrankt werden müsste. Eine Pachtzinsregelung behielt man sich für später vor. Der am 31. Oktober 1927 endgültig zur Verfügung gestellte Platz, den seither der Bauer Johann Georg Kemmner – Accisers Enkel – in Pacht hatte, maß dann etwa 20 1/2 Ar.


Am 1. Juli 1928 konnte die Freie Sportvereinigung ihr 30-jähriges Bestehen feiern. Man verband mit diesem Jubiläum die Einweihung des neuen Sportplatzes. Der ganze Ort und besonders der Festplatz wurden festlich geschmückt. Am 2. Juli schloss sich ein Fest für alle Kinder des Ortes an. Für jeden Volksschüler bewilligte der Gemeinderat zu diesem Anlass 0,50 Mark und stellte der Lehrerschaft anheim, dieses Geld ‚richtig zu verwenden‘. Anlässlich dieses Kinderfestes kam es erstmals zu einer Kooperation mit dem Liederkranz, der beschlossen hatte, auch in Zukunft als Mitveranstalter des Festes aufzutreten.
Als der Radfahrverein am Sonntag, den 7. Juli 1929, ein Sommerfest feierte und am folgenden Tag ebenfalls ein Kinderfest anschloss, war wiederum auch der Liederkranz beteiligt. Im Laufe des Jahres 1929 setzten sich auch im Liederkranz die ‚linken Kräfte‘ durch. Sie gaben nun in Vorstand und Programm den Ton an. Jetzt trat der Liederkranz sogar in der Weihnachtsfeier des Arbeiterturnvereins auf. Auch die Überschüsse von den Festen des Liederkranzes wurden nun jeweils dem Turnverein übergeben.
Am 3. Februar 1930 kündigte die Freie Turn- und Sportvereinigung an, dass sie den seit langem geplanten Turnhallenbau im Laufe des Jahres ausführen wolle. Hintergrund war die Gründung einer Handballabteilung unter der Leitung von Gustav Schöll.
Für den Bau beantragte der Verein eine Fläche neben dem Sportplatz und legte gleichzeitig die fertigen Pläne vor. Der Gemeinderat beschloss tatsächlich, einen Bauplatz unentgeltlich abzugeben und für eine Zufahrt zu dem Neubau zu sorgen. Am 8. März 1930 wurden die Einzelheiten geregelt: Der Gemeinderat beschloss, auf einen Schenkungsvertrag über das Grundstück einzugehen, sich jedoch ein Eigentumsrecht für den Fall vorzubehalten, dass sich der vereinbarte Nutzungszweck erledigte. Gleichzeitig musste sich der Verein verpflichten, die Turnhalle für die Zwecke der Schule unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Auch die anderen Vereine erhielten das Recht, ihre ‚Versammlungen, Übungen und Festlichkeiten‘ in der Turnhalle gegen eine ‚angemessene, von beiden Teilen zu vereinbarende Entschädigung‘ abhalten zu dürfen. Im Anschluss schritten der Gemeinderat,
die Vertreter des Vereins und der Nürtinger Geometer Steinhilber zu der vereinbarten Stelle, bestimmten die Fläche, ‚massen sie weg‘ und vermarkten sie. Bereits am 24. März 1930 hob allerdings der Gemeinderat die Verpflichtung, dass andere Vereine die Turnhalle mitbenutzen dürften, wieder auf. Innerhalb von wenigen Monaten wurde die Turnhalle mit großem Einsatz der Mitglieder errichtet. Bemerkenswert aus heutiger Sicht ist, dass der Vereinsvorstand, der Feilenhauer Gottlob Dettinger und der Kassier Hermann Stumpp, persönlich für die Darlehen bei der Kreissparkasse (5000 Goldmark) und bei der Brauerei Waldhorn in Plochingen (3000 Goldmark) hafteten.


Das Glück der Freien Sportvereinigung währte nicht lange: Im März 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten verboten und ihr gesamtes Vermögen beschlagnahmt, darunter auch die Turnhalle. Am 28. April 1936 wurde der bürgerlichen Gemeinde das Eigentum übertragen, wobei sie 7000 Mark Schulden, die auf dem Gebäude lasteten, übernahm. Laut dem Schuldentilgungsplan sollten sie bis 1942 abgetragen sein. Auch der Liederkranz war zunächst – im Zuge der Gleichschaltung – aufgelöst und sein Vermögen beschlagnahmt worden. Am 12. Dezember 1933 wurde jedoch das Verbot wieder aufgehoben und das Vermögen zurückgegeben. Im Begründungsschreiben des Württ. Innenministeriums, Abt. Politische Polizei, heisst es dazu, dass die Gleichschaltung des Vereins stattgefunden habe. Im Klartext hieß das, dass nur noch ‘politisch zuverlässige Personen’ in der Vereinsführung tätig waren. Außerdem, so das Schreiben weiter, habe der Liederkranz nie dem Arbeitersängerbund angehört, was man ursprünglich angenommen hatte.
Am 26. Mai 1934 erfolgte die Neugründung eines Sportvereins unter dem Namen TSV (Turn- und Sportverein) Unterensingen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Karl Femppel gewählt. Unter dem gemeinsamen Dach dieses Vereins führte man den Sportbetrieb unter dem Namen Turnverein weiter. Auch der Name Liederkranz, diese Abteilung stand nun unter der Leitung von Gottlieb Schmierer, wurde beibehalten. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs erlosch das Vereinsleben, zumal die Turnhalle als Kriegsgefangenenlager beschlagnahmt wurde. Noch wenige Monate vor Kriegsbeginn (Sommer 1939) ließ die Gemeinde das Gebäude erweitern: Die Schenke wurde aufgestockt und im Aufbau eine Wohnung eingebaut. Erst am 22. September 1944 tilgte die Gemeinde die verbliebene Hypothek an der Turnhalle und übernahm sie damit als volles Eigentum. Aus welchen Gründen auch immer, war bis dahin die schon vor 11 Jahren aufgelöste Freie Sportvereinigung als Eigentümerin geführt worden.


 
DER NEUBEGINN NACHDEM II.WELTKRIEG

39 Mitglieder des Vereins waren aus dem Krieg nicht zurückgekehrt. Trotz dieses Aderlasses wagte man schon bald einen Neubeginn. In der Presse waren Berichte aufgetaucht, dass die Militärregierung beabsichtige, beschlagnahmtes Eigentum zurückzugeben. In Unterensingen hatte sich ein Sportausschuss zusammengefunden, der die Neugründung des Vereins betrieb. Auf den 16. Dezember 1945 berief er eine Gründungsversammlung in das Gasthaus ‚Zum Kühlen Brunnen‘ ein. 50 Personen folgten dem Aufruf und trugen sich noch an diesem Abend in eine umlaufende Liste als Gründungsmitglieder ein. Die maßgeblichen Personen hatten ehedem der Freien Sportvereinigung und/oder dem Liederkranz angehört. Man entschloss sich wiederum für ein ‚gemeinsames Dach‘. Das bedeutete, dass weder der Liederkranz noch der Arbeiterverein wiederentstehen sollten. Gottlieb Limbächer gab der Hoffnung Ausdruck, dass schon im Frühjahr 1946 mit dem Singen begonnen werden könnte. Mit dem Sport war es schwieriger, weil derzeit noch auf dem Sportplatz – der Not der Zeit gehorchend – Gemüsegärten angelegt waren. Einigkeit, so heißt es im Gründungsprotokoll, sei heute von größter Bedeutung. Nach längerer Aussprache einigte man sich noch an diesem Abend auf den Namen Sport- und Kulturverein, als Gründungsdatum wurde der 1. Januar 1946 festgelegt. Karl Kraushaar wurde zum Vorsitzenden gewählt, Karl Burkhardt zum Kassier und Theodor Fehleisen zum Schriftführer.


Die Veranstaltung endete um 18 Uhr mit dem Handballerlied, von dem die 1. Strophe lautet:
„Wenn ‘blau und weiß’ nach auswärts ziehn,
beginnt ein lustig Handballspiel.
Am Wegesrand die Blumen blühn, ja blühn,
wenn ‘blau und weiß’ nach auswärts ziehn.“
Bereits in der zweiten Versammlung des Vereins im März 1946 wurde eine Sängerabteilung ins Leben gerufen, die den Namen ‚Liederkranz‘ beibehielt. In die umlaufende Liste trugen sich 15 Mitglieder ein. Karl Keuerleber wurde zum Dirigenten berufen. Bei der ersten Generalversammlung des Vereins am 6. Juli 1947 lag eine Mustersatzung vor, die die Militärregierung genehmigt hatte. Ehemalige Mitglieder der NSDAP und ihrer Organisationen durften nur nach Prüfung im Einzelfall Mitglied des SKV werden, jedoch keine Ämter wahrnehmen.
Unter dem Datum 5. Dezember 1947 wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen. Am 10. November 1947 trat das Gesetz Nr. 59 der Militärregierung, Amerikanisches Kontrollgebiet, in Kraft. Dieses verpflichtete die Gemeinde, das Eigentum des Vereins zurückzugeben. Durch die Feldbereinigung I Unterensingen war das Grundstück nun doppelt so groß wie bei der Beschlagnahmung 1933, nämlich 12 Ar 72 qm. Am 28. September 1948 schloss Bürgermeister Imanuel Pfisterer einen Vertrag mit dem SKV, mit dem die Gemeinde Grundstück und Halle zurückgab. Dies geschah kostenneutral, da man der Gemeinde vorrechnen konnte, dass sie mindestens 15 000 Reichsmark Mieteinnahmen aus der Halle während der
NS-Zeit erhalten hatte. Das ‚Kultministerium des Landes Württemberg-Baden‘ hat mit Schreiben vom 10. November 1948 erklärt, dass der Verein als Rechtsnachfolger der 1933 aus politischen Gründen aufgelösten ‚Freien Sportvereinigung e. V. Unterensingen‘ angesehen werden kann. Damit konnte der Vertrag vom 28. September wirksam werden.


1950 wurde dann das erste Kinderfest abgehalten, das 20 Jahre lang eine beliebte Tradition darstellte und dem Verein eine willkommene Einnahmequelle eröffnete.
Ebenfalls im Jahre 1950 begann die siebzehnjährige Amtszeit von Vorstand Manfred Stumpp. 1951 entschloss sich der Verein, die Halle um etwa 13 Meter mit Galerie zu verlängern, sowie eine Küche und einen Clubraum einzubauen. Auch der Eingangsbereich wurde neu gestaltet. Dazu konnten Bausteine gezeichnet werden. Unter großem Einsatz der Mitglieder wurde der Bau innerhalb von wenigen Monaten fertig gestellt, im August 1952 erfolgte die Einweihung.
Die Halle wurde nun zum Mittelpunkt des aufblühenden Vereinslebens. Unterhaltungsabende mit eigener Programmgestaltung durch den Liederkranz, Gruppen der Turnerinnen und Turner sowie mit Aufführungen von Theaterstücken und Singspielen gehörten zum Jahresprogramm.
1956 begann die besonders erfolgreiche Zeit der Handballabteilung. Sie stieg in die Bezirksklasse auf und schon nach einem Spieljahr in die Landesliga.
1957 wurde dann der Sanitärbereich der Halle neu gestaltet, wobei sich wiederum die Handballabteilung in besonderer Weise hervortat: Jeder Handballer leistete freiwillig einen Arbeitstag.
1965 stand erneut ein zeitgemäßer Umbau der Halle auf der Tagesordnung. Das Vorhaben entwickelte sich aber zur Katastrophe für den Verein: Als Folge der Ausschachtungsarbeiten stürzten am 24. September 1965 Teile der Halle ein. Es kam zu einem Prozess mit der Baufirma und den Architekten, der erst 1968 durch einen Vergleich beim Oberlandesgericht in Stuttgart beigelegt werden konnte.
Bereits 1967 hatte Vorstand Manfred Stumpp sein Amt zur Verfügung gestellt. Das geschah in der gleichen Versammlung, in der die Abteilung Frauengymnastik gegründet wurde. Für ein Jahr leitete nun der seitherige Kassier, Georg Hirrle, den Verein.
Im Januar 1968 beschloss eine Mitgliederversammlung, die Halle wieder aufzubauen. Da traf den Verein ein neuer Schlag: Im Mai des Jahres traten alle Funktionsträger der Sänger von ihren Ämtern zurück. Ebenfalls im Mai 1968 wählten die Mitglieder Robert Fischer, zuvor schon über 12 Jahre Schriftführer, zum neuen Vorstand.
In der inzwischen fertig gestellten Schulturnhalle konnte nun auch der Übungsbetrieb wieder aufgenommen werden. Nach einem erfolglosen Versuch von 1948 gelang nun, 1968, die Gründung der Tischtennisabteilung. Durch den großen Einsatz der Mitglieder konnte die Halle am 10. Mai 1969 wiederum eingeweiht werden, schöner und besser als je zuvor.


Nachdem die Sänger 1970 ihr 100-jähriges Jubiläum begehen konnten, musste die Abteilung, mangels Nachwuchses, leider aufgegeben werden. Die letzte Singstunde, an der noch 10 Sänger teilnahmen, fand am 9. Juni 1972 statt. Das bedeutete nicht nur das Aus der Abteilung ‚Liederkranz‘, sondern das Ende jeglichen Vereinsgesangs in Unterensingen.
1972 löste Gerhard Schäfer den seitherigen Vorstand Robert Fischer ab. Gleichzeitig wurde die Abteilung ‚Jedermannsport Männer‘ ins Leben gerufen, schon ein Jahr später die Abteilung ‚Freizeit- und Stammtischfußballer‘.
1974 entstanden die Ski- und die Fußballabteilung des Vereins. Erstere wurde 1988, die Fußballabteilung 1993 aufgelöst, nachdem sich jeweils eigene Vereine für die Sportarten gegründet hatten.
Nach dem Rücktritt von Gerhard Schäfer wurde 1974 erstmals ein sechsköpfiges Vorstandsgremium berufen: Harold Gähr, Heinz Femppel, Rudi Haussmann, Horst Mändle, Wolfgang Klein und Erhard Kraushaar. Diese Form der Vereinsführung war damals ungewöhnlich, ein Novum, das im damals 500 Mitglieder umfassenden SKV frühzeitig vollzogen wurde, sich bewährt hat und vielerorts Nachahmung fand.

 
ERWEITERUNGEN UND RENOVIERUNGEN AN DER SKV-HALLE

16.01.1976
Hauptversammlung. Der Vorstand legt den Mitgliedern ein Gesamtkonzept über die Halle, die nötigen Nebenräume und das Vereinsheim vor.

Ab Frühjahr 1977
Einrichtung der vergrößerten Küche, Bau der Kühlhalle, Renovierung und teilweise Neubau der sanitären Anlagen. Einrichtung eines Geschäftszimmers.

1978
Das Jahrhunderthochwasser erfordert ca. 800 Stunden Aufräumarbeiten. Sofort danach Renovierung der Halle. Bedingt durch Hochwasserschäden braucht man einen neuen Fußboden und eine neue Heizung. Die seit langem vorgesehene Renovierung des Vereinsheims wird anschließend erledigt.

1979
Nach einem sehr starken Hagelschlag im Mai muss das gesamte Dach repariert werden, wird aber nie mehr zu 100 % dicht. Der Sportlereingang im hinteren Bereich der Halle wird gerichtet.

23.01.1981
Hauptversammlung. Der Vorstand berichtet, dass nach fünfeinhalb Jahren nun Umbau- und Renovierungsarbeiten abgeschlossen sind. Es stellt sich aber auch heraus, dass das Dach vollständig saniert werden muss. Das Hochwasser 1978 richtete in der Halle großen Schaden an.

20.01.1984
Hauptversammlung. Es wird berichtet, dass das Hallendach vollständig neu eingedeckt wurde und der Umbau der Heizung erledigt ist. Die Auflagen des Landratsamts sind erfüllt. Für die Auflagen vom TÜV haben wir noch 2 bis 3 Jahre Zeit.

31.01.1986
Hauptversammlung. Bekanntgabe, dass der Jugendraum fertig gestellt ist. Unter Punkt Bausachen wird der Versammlung vorgeschlagen, Halle, Bühne und Bar festlicher zu gestalten, ebenso soll die Vorderansicht der Halle und der Eingang mit dem Vorplatz ein neues Gesicht erhalten.

06.02.1987
Hauptversammlung. Der Vorstand berichtet, dass eine neue WC-Anlage für die Halle und die SKV Gaststätte gebaut wurde und in der Gaststätte eine neue Theke eingebaut worden ist.

29.02.1988
Hauptversammlung. Es wird berichtet, dass das Dach über dem Geschäftszimmer und der Bar sowie die darunterliegenden Räume saniert wurden. Der Vorstand schlägt der Versammlung vor, den heutigen Stand des Halleninnenraums mit Bühne sowie die Neugestaltung des Eingangs zu verwirklichen.

24.02.1989
Hauptversammlung. Nach zweijähriger Vorbereitung kann mit der Umgestaltung der Halle begonnen werden. Die Versammlung beschließt den Umbau wie vom Vorstand vorgeschlagen.

Ab Frühjahr 1989
In nur sechsmonatiger Bauzeit wird die Halle wie vorgesehen 1989 umgebaut. In beispielloser Eigenleistung wird die Wohnung ebenfalls umgebaut und renoviert. Am 14. Oktober 1989 können wir die Halle zum wiederholten Male einweihen.
(Heinz Femppel, SKV-Vorstandsmitglied 1974-1990)